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Sonntag, 30. März 2008, 18:25

sächsischer Artilleriesäbel 1874

Hallo, an alle
Ihr steht sicher noch unter dem Eindruck von Stuttgart, dennoch habe ich folgendes Anliegen:
Ich habe seit längerer Zeit einen sächsischen Artilleriesäbel des Modells 1874(Ich denke jedenfalls, dass es einer ist). Er gleicht dem auf dem Foto Nr. 59 in „Trag diese Wehr zu Sachsens Ehr“ Allerdings stimmen die dort angegebenen Maße nicht
mit denen meines S. überein. Diese sind:
GL.: 100 cm, KL.: 85 cm, KB.: 3,2 cm

Der Zustand ist noch so, wie ich ihn seinerzeit erhalten hatte – Gefäß ziemlich rostig, Griffhülse ganz gut erhalten, Klinge soweit ohne Rost, die Scheide war verchromt – jetzt ziemlich rostig , Chromstellen sind noch vorhanden.
Außer einem Truppenstempel auf der Parierstangen-Innenseite und dem gleichen Stempel auf der Scheide sind keine weiteren Stempelungen vorhanden.
Der Truppenstempel lautet: 12.T.E.120.
Das Gefäß sitzt fest.

Bei dem Träger des Säbels soll es sich um einen einjährig Freiwilligen handeln, der im Jahre 1881 in Dresden gedient hatte (siehe Foto).

Ich will den Säbel jetzt reinigen, bzw. vom Rost befreien.

Beim näheren Betrachten der Waffe tauchen doch einige Fragen auf. Ich wäre sehr dankbar, wenn sie jemand beantworten kann.
Ich hoffe, dass die Fotos einigermaßen aussagekräftig sind.

1. natürlich die Frage nach der Bedeutung des Truppenstempels?

2. Dürfte es sich um einen Eigentumssäbel oder ein Kammerstück
handeln? (Die Thematik habt ihr ja schon mal ausführlich
durchdiskutiert, und wenn ich das richtig verstanden habe,
kann man bei vorhandenem Truppenstempel nicht von einem
Eigentumsstück ausgehen, oder?

3. Ich vermute zwar, dass der Säbel nicht auseinander genommen
wurde, aber die Vernietung der Grifflappen sieht meiner
Meinung nach komisch aus. Die Nietköpfe erscheinen mir
ziemlich klein, oben plattgeschlagen und es sieht so aus,
als ob mal eine Unterlegscheibe unter dem Niet gewesen ist.
Zumindest deuten diese ringförmigen Abdrücke darauf hin.
Oder können diese Abdrücke von einem Nietwerkzeug (Nieten-
zieher, o. ä. stammen)?

4. Die Klinge ist auf beiden Seiten einschließlich der Fehl-
schärfe jeweils auf eine Länge von ca. 4,5 cm quer ge-
schliffen. Ich dachte erst, dass die Klinge dort verrostet
war, weil sie vielleicht auf diese Länge längere Zeit aus
der Scheide stand und dann jemand die Roststellen weg ge-
schliffen hat.
Ich glaube aber, dass ich auch schon an anderen Waffen
solche „quergeschliffenen“ Stellen gesehen habe, so dass
das evtl. einen anderen Grund hat. Oder spinne ich mir da
was zusammen?
Die Fehlschärfe meines Säbels ist nur 16 mm lang. Auf dem o.g. Foto 59 ist die Fehlschärfe des dortigen Säbels bedeutend länger. Vielleicht ist bei meinem die Fehlschärfe kürzer geschliffen worden? Bloß warum?

Vielen Dank schon mal im voraus, Gruß Hans

2

Sonntag, 30. März 2008, 18:39

Sächsiischer Artilleriesäbel

weitere Bilder zum Artilleriesäbel

3

Montag, 31. März 2008, 05:48

RE: Sächsiischer Artilleriesäbel

Moin,
m.E. sympatisches Stück.

Truppenstempel ist zu deuten als:
Ersatz-Escadron der 12. Kgl. Sächs. Train-Abteilung No. 12
(Stiftungstag 1. Okt. 1849, Garnisonen Dresden und Bischofswerda)

ist Übergangsmodell Artillerie-Säbel 1874/Mod. alt
(d.h. daß Aptierung und Grundbewaffung noch nicht gänzlich abgeschlossen waren,
ausreichende Anzahl an Waffen noch nicht zur Verfügung standen).
Man hat sich wie folgt beholfen,
nimm ne alte Klinge, schleife den nicht mehr aktuellen König raus, dazu
ein Hartgummi-Griffstück und kloppe das Ganze mit einem Gefäß
des preuß. Ulanensäbels (mit den Griffkappenlappen welche man ja in Sachsen eigentlich mit dem 74 abschaffen wollte)
zu eimem Ari-Säbel zusammen.

Dat is jetzt son Teil, uralte Bastelarbeit aus der Not heraus, die lieben Sachsen haben um 1897/1901 auch nur mit Wasser gekocht.

Lecker Teilchen, 7. Stück in der o.a. Übergangs-Bastel-weil ich hab nich genug-Variante welches durch meine Hände ging.
Alle in der Vernietung bischen "vermanscht" und alle mit quergeschliffenen Fehlschärfen bei 3 unterschiedlichen Längen der Fehlschärfe.

Bitte blos nich Kaputt-restaurieren, hat jetzt schön authentische Oberfläche!!!

Noch Fragen?? Viele Grüße 9xklug

4

Montag, 31. März 2008, 07:30

RE: sächsischer Artilleriesäbel 1874

Hallo puck,ich würde am Säbel nur geringe Kosmetik betreiben. das Teil ist eigentlich schön und nicht bespielt.So häufig sind diese Modelle auch nicht.MfG. königsberg

5

Montag, 31. März 2008, 17:44

RE: Sächsiischer Artilleriesäbel

Zitat

Original von 9xklug
Truppenstempel ist zu deuten als:
Ersatz-Escadron der 12. Kgl. Sächs. Train-Abteilung No. 12


Ich denke mal, daß es statt Ersatz-Eskadron richtig Ersatz-Abteilung oder Ersatz-Bataillon - abhängig vom Jahr - heißt. Im Übrigen gliederte sich der Train in Kompanien bzw. Kolonnen.


Zitat

Original von 9xklug
Man hat sich wie folgt beholfen,
nimm ne alte Klinge, schleife den nicht mehr aktuellen König raus, ...


Dafür, daß die Chiffre des alten Königs amtlicherseits bei Dienstwaffen ausgeschliffen wurde, sollte ein Beleg vorgelegt werden.
Möglicherweise existiert ja so etwas für Sachsen. Bis dahin aber ist diese Aussage mit einem Fragezeichen zu versehen.
Im Preußen hat man sogar die französischen Bezeichnungen in den Klingenrücken bei diversen Modellen der in Frankreich erbeuteten Waffen belassen.

Gruß

Schwertfeger
"Suum cuique" (Cicero: Jedem das Seine; Devise des Schwarzen Adler Ordens)

6

Montag, 31. März 2008, 21:40

Hallo, 9xklug, Königsberg und Schwertfeger, ich bin begeistert über so viel Wissen. Vielen Dank für Eure fundierten Aussagen.
Da habe ich ja ein toll zusammengebasteltes Stück. Ich werde mir das mit dem Restaurieren noch mal überlegen.
9xklug, momentan sind mir die Fragen ausgegangen, danke.
Viele Grüße, Hans

7

Dienstag, 1. April 2008, 06:00

RE: Sächsiischer Artilleriesäbel

Moin,
Herr Schwertfeger.
das kommt darauf an ....

Viele Grüße
9xklug

8

Dienstag, 1. April 2008, 07:52

RE: Sächsiischer Artilleriesäbel

Moin,
hier ein Nachschuß,
hoffe daß man den Schliff und dann
hineingeschlagene Abnahme einigermaßen erkennen kann...
dat Teil ist zwar nicht in dem Erhaltungszustande wie das Exemplar
von Herrn puck, aber man soll ja bescheiden sein...

Gestempelt 12.T.A.I. dann (4 ?...unleserlich)
(12. Train-Abteilung, Feld-Intendantur)

Schönen Gruß von 9xklug

9

Dienstag, 1. April 2008, 08:40

RE: Sächsiischer Artilleriesäbel

Zitat

Original von 9xklug
das kommt darauf an ....


Guten Morgen,

da kann ich nur beipflichten.

Aber nach der Umstellung (1869) der Organisation und des Dienstbetriebes auf die preußischen Bestimmungen ist man auch bei den Bezeichnungen den Preußen gefolgt. Das genaue Datum müßte ich allerdings erst nachschlagen, wozu ich im Moment leider keine Zeit habe.
Für den hier vorgestellten Säbel würde auf Grund der Datierung der Aptierung (ab 1897) also, wenn zutreffend, "Kompanie" gegolten haben.

Zum (Aus-)Schliff: wie gesagt, ein amtliches "Papierchen" wäre schon gut.

Allgemein festgestellt, haben wir das Problem heutzutage, daß vieles bei Realstücken "sich zurecht gelegt wird". In amtliche Unterlagen wird leider zu wenig geschaut. Ich möchte betonen, daß ich Dich 9xklug, da nicht einbeziehe.

Viele Grüße

Schwertfeger
"Suum cuique" (Cicero: Jedem das Seine; Devise des Schwarzen Adler Ordens)

10

Dienstag, 1. April 2008, 10:45

RE: Sächsiischer Artilleriesäbel

Moin nochmals,
recht herzlichen Dank für die wertvollen Hinweise.
Ja war bei den lieben Sachsen schon ein Hinundher bei den Bezeichnungen,
1810 als TrainBtl errichtet
1849 als Kommissariats-Kompagnie von der Ari abgetrennt
1861 Train-Abt
1867 Train-Btl
1872 Train-Btl 12 (3 Komp.)
1887 Train-Abt (3 Esk.)
1891 (4.Esk. Königsbrück)
1899 1. Train-Btl 12
1913/14 1. Train-Abtl 12

...und dann schmeißen sie in Ihren Stamm und Ranglisten immer fröhlich
Wachtmstr. und Rittmstr. aus....

Schönen Gruß 9xklug